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Glossar

Stummfilme / Musiker

Im Schatten des Yoshiwara (Jujiro)

[Teinosuke Kinugasa, J 1928]

Rikiya träumt von Yoshiwara. Das berüchtigte Vergnügungsviertel mit den Teehäusern und Rummelplätzen hat es ihm angetan. Er fährt zu den leichten Mädchen seiner Träume, sieht eine schöne Tänzerin, verliebt sich. Für O-ume legt er sich sogar mit finsteren Nebenbuhlern an und wird geblendet. Mit letzter Kraft schleppt er sich zu seiner Schwester. Für Altmeister Kinugasa machen Sinnestäuschungen Liebe zum Drama, und brutale Gewalt verwandelt Liebe in grausamen Schmerz. Während der Plot minimalistisch angelegt ist, beweisen die Bilder einen ausgeprägten Stilwillen: Atmosphärische Nachtaufnahmen lassen das Milieu schattenhaft verschwimmen und die Charaktere stilisiert hervortreten. Kinugasa gelingt eine kongeniale Verschmelzung von europäischem Kunstkino und japanischer Tradition.
 
„Im Schatten des Yoshiwara“ war der erste japanische Stummfilm überhaupt, der in Deutschland in die Kinos kam. Die zeitgenössische Kritik war begeistert: „„Von diesen vier Hauptdarstellern, aus denen sich das Spiel zusammensetzt, geht eine ähnlich erschütternde, kollektive Wirkung aus wie bei den besten Ensembleleistungen des Russenfilms. Vier Schauspieler, die zusammen einen völlig neuen, völlig unbekannten Ausdruck schaffen, eine Kunst, fremd und erhaben, abseitig und verschlossen, eine trunkene, ekstatische Maskenkunst, deren pantomimisches Körperspiel an die kultischen Anfänge des Theaters erinnert. Was in Dreyers „Jeanne d’Arc“ zum ersten Mal versucht wurde: das Absolute der Bewegung, den Ausdruck „an sich“, losgelöst von aller Spiellastigkeit, zu geben, ist hier zu einer Meisterschaft entwickelt, die außerhalb jeder europäischen Filmerfahrung steht. Fratzen, die aus dem Hintergrund hervorkommen, ein kauender Mund, Gesichter, Hände, Lampions, Gegenstände, die aus dem Zusammenhang herausgenommen, vergrößert und wieder ins Unendliche verkleinert werden – absolute Filmkunst.“ (Hans Sahl, Berliner Börsen-Courier, Nr. 227, 18.5.1929)

Bilder mit freundlicher Genehmigung von:
Stiftung deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen Berlin

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