
StummfilmKonzerte - Stummfilm mit LivemusikGlossarUNTER BÄUMEN Die Hermannsschlacht Was den Amerikanern der Westen, ist den Deutschen der Wald: Ein Ort der uralten Mythen, der nationalen Selbstfindung und Bewährung. Als die Einheit Deutschlands nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg aus kulturkonservativer Sicht in höchster Gefahr war, verband sich mit dem Rückzug in den Wald das Versprechen der Wiedergeburt und spirituellen Erweckung. Während Fritz Lang in Die Nibelungen (1924) seinen Helden Siegfried im Kampf gegen Alberich und den Drachen in einen ganz und gar artifiziellen, sagenhaften, im Studio erschaffenen Märchenwald schickt, dessen hohe Stämme den Säulen einer gotischen Kathedrale gleichen, wurde Die Hermannsschlacht an authentischen Orten gedreht, im Teutoburger Wald, bei den Externsteinen und im Silberbachtal. Dort, so vermuteten Historiker, fand im Jahr 9 n.Chr. die Varusschlacht statt, in der ein germanisches Heer unter der Führung des Cheruskerfürsten Hermann (Arminius) drei römische Legionen vernichtend schlug ein Ereignis, das später zum Fundament einer deutschen Nationalgeschichte erklärt wurde und in den Jahren der französischen Besetzung des Rheinlands und des Ruhrgebietes 1923/24 als sinnstiftendes Symbol des gerade aktuellen Widerstandes dienen sollte. Der großangelegte, aber teilweise beinah dilettantisch umgesetzte und heute nicht mehr voll- ständig überlieferte Film neigt also einer rechten Geschichtsdeutung zu: Er endet mit dem Sieg der Germanen über die Römer und schweigt von der Ermordung Hermanns durch seine Verwandten. »Man fühlt ganz deutlich die Tendenz dieses Werkes, das ein memento sein will auch für unsere Zeit und für den Gedanken ›Einigkeit macht stark!‹« (Der Film, 5.4.1925). (ps) (Herrmannsschlacht) |
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